Aktuelle Situation 2

Zur Zeit finden mehrmals am Tag Videokonferenzen mit Alinaswe statt. Alinaswe koordiniert die Vorbereitungen auf einen möglichen Ausbruch der Corona Pandemie in Ihahi. Der Schutz der Schwesternschaft und der Menschen in dem Dorf Ihahi / Brand, die sich nicht selbst versorgen können, hat Priorität aller Maßnnahmen. Insbesondere die oft verarmten Großmütter, die sich um ihre verwaisten Enkel kümmern müssen, versuchen wir zu schützen. Was es mit dem lustigen Raumfahrerhelm auf sich hat, wird im folgenden Artikel erklärt.

An dieser Stelle möchte ich auf das aller Herzlichste allen danken, die den Menschen in Tansania und  in Kenia mit ihrer Spende helfen und diese gesamte Arbeit, über die hier berichtet wird, überhaupt erst möglich machen!

Die Bevölkerung in der Umgebung der Schwesternschaft verdrängt die Coronagefahr weitestgehend. Alinaswe zeigte mir live Bilder vom Straßenrand. Alle Menschen, die ich dort sah, verhielten sich in gewohnter Weise. Keine Distanz, gemeinsames Trinken aus den gleichen Gefäßen, enges Zusammen stehen.

Bei Alinaswe bemerke ich eine Veränderung in seiner Wahrnehmung. Er hat jetzt begonnen, sich mögliche Szenarien vorzustellen, wie eine Epidemie verlaufen könnte und bereitet sich darauf vor. Allerdings kann er daher nachts nicht mehr gut schlafen. Man merkt es ihm an, dass er von der Vorstellung des Ausmaßes der Epidemie, was da auf Tansania zukommt, ziemlich schockiert ist.

Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, dass wir mit Alinaswe Szenarien detailiert besprechen können. Dabei erscheint mir psychologisch betrachtet, wichtig zu sein, dass Alinaswe und die Schwestern, durch unsere Finanzierungsmittel, einer der wenigen Personen sind, die überhaupt die Möglichkeit haben, etwas gegen die immer näher kommende Pandemie zu unternehmen. Dieses verurteilt sein zum hilflosen Abwarten, was da kommt, erzeugt Ohnmacht und Lethargie. Einfach deshalb, weil man nichts hat, was man tun kann. In Dar Es Salaam sammeln die Armen, die nichts haben, gebrauchte und weggeworfene Einwegmasken, waschen diese und verwenden sie wieder. Sicher gefährlich, aber es macht die Menschen aktiv. Und sie kämpfen gegen das Gefühl der Ohnmacht an.

Bilder aus Dar Es Salaam: Menschen waschen weggeworfene Einwegmasken

Mtitlerweile kommt ein neues Szenario in Tansania dazu: Einige Pfleger und Ärzte verlassen die Kliniken aus Angst vor einer Corona- Infektion. Dieses Nachricht aus einer Klinik in Dar Es Salaam,  hat sich gestern in Tansania im Internet verbreitet. Für uns bedeutet dies, dass wir die Ärztin und das Personal, das die Krankenstation in IHAHI betreut, besonders schützen müssen. Wir dürfen die einzigste Ärztin für tausende von Menschen der Umgebung unter allen Umständen nicht verlieren! Auch Alinaswes Frau arbeitet in der Krankenstation als Krankenschwester.

Ainaswe hat daher entschieden, ein Fieberthermometer anzuschaffen, was kontaktlos einsetzbar ist, um Menschen mit erhöhter Temperatur aus dem Wartebereich der Krankenstation zu entfernen und zu einer gesondernden Behandlung zuzuführen.

Auch wenn das Foto mit dem Helm sehr spaßig aussieht,  ich habe mich mit der Frage beschäftigt, wie man aus Alltagsgegenständen eine virensichere Kopfbedeckung herstellen kann. Und zwar ausschließlich mit Material, was Alinaswe bereits hat oder besorgen kann. Bei eingen Testversuchen hat sich ein Eimer, vor dem eine Folie als Sichtfenster mit Panzertape geklebt ist und bei dem von außen Frischluft so zugeführt wird, dass ein Überdruck entsteht und Luft aus dem Eimer trotz Atmung entweicht, bewährt. Der Eimer ist unten mit einer Mülltüte als Manschette eingefasst. Mit Hilfe eines Computer- Netzteil Gebläses (12 Volt Autobatterie tauglich) oder eines Föhns auf Kaltgebläsestufe (220 volt tauglich), lässt sich der Eimer mit Frischluft, die aus mehreren Metern Entfernung (z.B. von einem Abwasserrohr, das durch ein Fenster von außen nach innen geführt wird) zugeführt wird, betreiben. Abgedichtet wird das System mit Gewebeklebeband. Das System testete ich mit eiem Freund mit Zigarettenrauch, weil dieser sofort zu riechen ist. Und es funktioniert.
Wir planen daher jetzt, eine solche raumunabhängige Frischluftversorgung in der Arztstation in einem abgetrennten Raum zu installieren, in dem dann Personen mit erhöter Temperatur behandelt werden können, ohne dass die  behandelnnde Ärztin sich zwangsläufig infizieren muss.
Außerdem testen wir eine mobile Version des Systems, welche man vielleicht sogar an das Gebläse des Autos (mit Klimaanlage wegen der Hitze) anschließen kann. Damit könnten dann infizierte und pflegebedürftige Personen in den Hütten versorgt werden und sogar in einem Fahrzeug in eine Klinik transportiert werden.

An dieser Stelle möchte ich um Spenden bitten. Unsere Geldmittel vor Ort sind jetzt langsam aufgebraucht. Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, kann dies unter dem Verwendungszweck: „Hilfe wegen Corona“ tun. Wir benötigen noch mehr Matratzen, um schwer kranke oder sogar sterbende Menschen nicht am blanken Boden liegen lassen zu müssen und die wir auch nach einer Corona Welle bedürftige Senioren geben können. Außerdem benötigen wir einen flexiblem Etat für Alinaswe und die Schwesternschaft, um finanziell handlungsfähig bleiben zu können. Auch für das Straßenkinderheim in Kenia wird Geld benötigt um die Jungendlichen weiter versorgen zu können. Die Nahrungsmittelvorräte sind für einige Wochen angelgt. Wir können aber bereits abschätzen, dass sich in Kenia eine allgemeine Nahrungsmittelknappheit anbahnt. Einmal wegen der Cornakrise aber auch wegen der aktuellen Heuschreckenplage.

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