Fotos

Fotos aus dem Vereinsgeschehen und von Reisen vor Ort in Tansania

Krise im Straßenjungenheim in Kenia (Nairobi)

Wie in allen Ländern dreht sich in Kenia gerade alles um das Corona Virus. In Nairobi gibt es schon seit längerem bestätigte Corona-Fälle. Das Straßenjungenhaus von Joseph Nijoroge, mit dem seit eineinhalb Jahren eine Partnerschaft mit dem Verein „Die Brücke e.V.“ besteht, hat unter den Folgen der Krise doppelt zu leiden. Einerseits müssen die über 120 Jungen nun zu Hause bleiben und können weder zur Schule gehen noch sich auf den Straßen aufhalten. Besuch von außen ist ebenfalls nicht gestattet. Das ist natürlich für die vielen Teenager nicht einfach. Vor allem, da das Gelände des Heims ziemlich klein ist. Dementsprechend ist das Ansteckungsrisiko untereinander hoch. Das größere Problem ist aber, dass die lokale Unterstützung für das Straßenjungenhaus wegfällt. Der kenianische Leiter des Heimes berichtet, dass sie seit längerem keine Nahrungsmittelspenden von befreundeten Personen, Gruppen und Kirchen aus Kenia bekommen haben. Er könne nachvollziehen, dass seine Unterstützer aus Kenia in dieser Situation zuerst für ihre eigenen Bedürfnisse sorgen müssen. Umso dankbarer ist Joseph für jede Unterstützung, die auch aus Deutschland kam. Mithilfe einer Spende der Schüler aus dem Bunsen-Gymnasium in Heidelberg und einigen privaten Spenden konnte der Verein „Die Brücke e.V.“ die Arbeit von Joseph Nijoroge unterstützen.

Es wurden für das Heim Desinfektionsmittel und Seife eingekauft. Außerdem wurde ein Etat für den Kauf von Nahrungsmitteln angelegt. Damit können 120 Teenagern etwa eine Woche versorgt werden. Da niemand weiß, wie sich die Lage in Kenia entwickeln wird, ist die Versorgung der Jugendlichen mit Essen nicht ausreichend gesichert.

Joseph beschreibt die Situation er Menschen in Kenia als „sehr schlecht“. Die Bewohner der Slums sind schwer betroffen, insbesondere Obdachlose und Straßenkinder leiden unter der Krise. Allerdings kann Joseph diesen Menschen im Moment aufgrund der eigenen Schwierigkeiten im Heim nicht helfen, auch wenn ihn dies sehr schmerzt. Normalerweise teilt er, neben seiner Arbeit im Heim, Essen an Straßenkinder in den Slums aus.

Wir rechnen damit, dass weitere Hilfsmaßnahmen für das Straßenjungenheim von Joseph in kommender Zeit nötig werden. Vor allem ist es uns dabei wichtig, die Lebensmittelversorgung der Jungen zu gewährleisten. Auch die Situation in Deutschland ist im Moment nicht einfach. Wenn sie dennoch Interesse daran haben, einen kleinen Beitrag für das Straßenjungenhaus zu leisten, würden wir uns sehr über jede Unterstützung freuen. Spenden gehen vollständig an das Straßenjungenheim über. Spenden können mit dem Betreff „Für Joseph“ oder „Kenia“ an das Konto von „der Brücke“ überwiesen werden.

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Virus in Tansania

Das Coronavirus hat nun auch Afrika erreicht. Alinaswe, unserem Mitarbeiter vor Ort, so wie Joseph Njoroge in Kenia, der dort das Heim für Straßenkinder betreut, wurde von uns Gelder zur Verfügung gestellt, um Wasserbehälter zum Händewaschen, Seife und Desinfektionsmittel anzuschaffen. Da in Tansania wenig Tests zur Verfügung stehen, ist nicht klar, in wie weit sich das Virus dort bereits ausgebreitet hat.

Im Dorf Ihahi, wo die Schwesternschaft ihren Sitz hat, wurden in Zusammenarbeit mit dem Doktor Informationsveranstaltungen für die Dorfbewohner abgehalten und die nötigen Hygieneutensilien an besonders bedürftige Familien verteilt. Wir hoffen sehr, dass die Dörfer vom Corona Virus nicht heimgesucht werden. Viele Waisenkinder leben bei ihren Großeltern. Diese sind, wie bei uns, eine Risikogruppe. Außerdem sind die Menschen vor Ort durch die Kochstellen in den kleinen Küchen oft auch lungengeschädigt.

Wir versuchen zu helfen, wie es möglich ist. Natürlich besonders bei er Finanzierung von Desinfektionsmitteln, die aber bereits in der großen Stadt Mbeya knapp werden.

Außerdem begleiten wir beratend unsere Partner vor Ort. Wir informieren sie über Schutzmaßnahmen in Deutschland. Aktuelles Beispiel, was leider auf den Fotos zu erkennen ist, dass man bei Versammlungen Abstand voneinander halten soll, besonders wenn man Menschen über den Schutz vor Corona informiert. Dazu schickten wir die Anweisungen der Firma von Ferdinand Munk in der Kisuaheli Übersetzung weiter, denn Herr Munk unterhält zu den Menschen vor Ort gute Beziehungen und wird als erfolgreicher Geschäftsmann dort auch ernst genommen.

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Bau der Primaryschool 3. Bauabschnitt

Der Bau der Gundschule geht voran. Der Rohbau steht und der Innenausbau wurde begonnen.

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Bau der Primaryschool 2. Bauabschnitt

Der Bau der Schule geht zügig voran. Nachdem das Fundament fertiggestellt wurde, werden im nächsten Schritt die Module hergestellt und bearbeitet. Dazu wurden genügend Stahlträger aus Dar Es Salaam eingekauft und mit einem LKW nach Brand transportiert. Dort wurden sie von einem örtlichen Metallarbeiter geflext und geschweißt. Alinaswe kontrollierte die Schweißnähte. Jetzt werden die Module noch gegen Korrision behandelt und anschließend auf das Fundament gestellt.

Gebäuderisse nach dem Erdbeben

Beim Herstellungsverfahren zahlt sich das „Training“ beim Schwesternwohnhaus aus. An diesem kleineren Projekt konnten die einzelnen Bearbeitungsschritte geübt werden. Dies führt dazu, dass die Arbeiten jetzt weitestgehend ohne Beratungshilfen von unserer Seite aus durchgeführt werden. Der zuständige Bauingenieur entdeckte beim Kindergarten einige Verbesserungsmöglichkeiten, die er im Bauabschnitt „Primaryschool“ dann einbrachte.

 

Vom Erdbeben zerstörtes Haus in der Umgebung Mbeya

Außerdem gab es in der Region in der Zeit des Fundamentbaus ein Erdbeben mit der Stärke 5,5. Der Kindergarten blieb unbeschädigt.
Beim Schwesternwohnheim gab es einen kleinen Wandriss an einer Stelle, die im Dachgiebelbereich ohne Verbindung zu den Modulen gegen die Systemrichtlinien gebaut wurde (siehe Foto). Dieser Baufehler, der keine größeren Auswirkung auf die Stabilität des Gebäudes hat, demonstrierte allerdings, welche Stärken das Modulsystem im Vergleich zu der konventionellen Bauart aufweist und dass es wichtig ist, die Bauanweisungen zu beachten.
Das andere Foto zeigt ein, durch das Erdbeben, völlig zerstörtes Wohnhaus in der Umgebung.

Bilder zum Baufortschritt

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Bau der Primaryschool

Nach langer Vorbereitungszeit konnte im Januar 2019 der Bau der Grundschule begonnen werden. Der Bau des Fundaments ist bereits weitestgehend abgeschlossen. Die Schule wird nach dem gleichen Bauprinzip wie der Kindergarten erstellt.

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Weihnachtsaktion des Bunsengymnasiums in Heidelberg

Die Schüler und Lehrer des Bunsengymnasiums in Heidelberg spendeten die Kollekte des Weihnachtsgottesdienstes an das Straßenjungenhaus in Kenia. Außerdem sammelten die Fünftklässler bei ihrer Plätzchenbackaktion für das Projekt. Insgesamt kamen dabei fast 1000 Euro zusammen.Das Geld wurde dazu verwendet, die Toiletten des Heims neu zu bauen, und die Zäune wieder her zu richten. Da diese Projekte günstiger als geplant waren, konnten zusätzlich noch für acht neue Jungs Schuluniformen gekauft werden, die in Kenia nötig sind, um in die Schule gehen zu dürfen. Außerdem wurden noch sehr viele Stifte, Schreibblöcke, Mathesets und weitere Materialien gekauft, die die über 100 Kinder und Jugendlichen des Projekts für die Schule benötigen. Die Bauprojekte (Zaun und Toilette) wurden gleich nach der Überweisung in Angriff genommen und sind bereits fertig gestellt.

Im Dezember 2018 hielten dafür die Vereinsmitglieder Tobias Herold und Tabea Rumold Vorträge über das Projekt in den 5-9. Klassen.

Dabei berichteten sie zu Beginn über das Land Kenia, die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Arm und Reich und dem städtischen und ländlichen Leben. Im Anschluss stellten sie die Geschichte der Gründung des Straßenjungenhauses und deren aktuelle Arbeit vor. Dabei wurde einerseits die Problematik der Kriminalität und des Drogenkonsums in den Slums thematisiert. Andererseits aber auch erklärt, wie den Kindern und Jugendlichen in dem Projekt geholfen wird, aus dieser Spirale hinauszukommen.

Besonders beeindruckt waren die Schüler dabei von der Lebensgeschichte des Gründers Joseph, der selbst einmal Straßenjunge war und sich nun mit vollstem Einsatz für die Jungen in den Slums Nairobis einsetzt. Diese Geschichte wurde auch in der Predigt des Weihnachtsgottesdienstes als Beispiel erzählt, der das Thema „Licht in der Welt sein“ hatte.

Der Verein bedankt sich vor allem sehr herzlich für das große Engagement der Fachschaft Religion des Bunsengymnasiums. Sie ermöglichte, dass das Projekt den Schülern vorgestellt werden durfte und für die Spendenaktion ausgewählt wurde.

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Straßenkinder in Kenia

Der Verein „Die Brücke e.V.“ beschließt, den Verein „Global Hope Rescue and Rehabilitation Centre“ (kurz GHRRC) aus Kenia zu unterstützen.

GHRRC ist ein Heim für Straßenjungen aus den Slums Nairobis zwischen 7 bis 20 Jahren. Ziel ist ihnen eine Schulbildung, Nahrung und ein Dach über dem Kopf zu geben und sie in ein Leben mit einem Job und Perspektive zu führen.

Der Verein wurde 2013 von dem Kenianer Joseph Njoroge gegründet und hat seinen Sitz in Kenia/Nairobi.

Aufmerksam wurde „die Brücke“ auf diese Arbeit durch das Vereinsmitglied Tobias Herold, der im September mit Freunden in Nairobi war und dort persönlich Kontakt knüpfte.

Bei einem Treffen mit dem Leiter des Heims Joseph wurde deutlich, dass das dieser nicht nur seinen Arbeitsplatz für die Arbeit aufgegeben hat, sondern auch den größten Teil seiner Freizeit opfert. Er arbeitet als Vollzeitlicher ehrenamtlich dort. Dementsprechend lebt er mit den Jungen zusammen von den Spenden, die er sowohl von der lokalen Bevölkerung als auch vereinzelt von Privatpersonen aus dem Ausland bekommt.

Durch Spenden der „Brücke“ soll dem Heim bei der Grundversorgung geholfen werden.

Benötigt wird:

  • Feuerholz: 6000 ksh (53€) pro Monat
  • Strom: 9000 ksh (80€) pro
  • Wasser: 9000 ksh (80€) pro Monat
  • Zucker: 9000 ksh (80€) pro Monat; 150kg (60ksh pro kg)
  • Öl: 8000ksh (70€) pro Monat; 50 Liter (160ksh pro Liter)
  • Seife: 12000ksh (105€) pro Monat; 1 Barren Seife pro Kind (129ksh pro Barren)
  • Reis: 9000ksh (80€) pro Monat; 100 kg (90ksh pro kg) Dieser ist Luxus und wird dreimal im Monat gegessen.

Zusätzlich ist in Planung, die Renovierung des Sanitärbereichs zu ermöglichen um die Hygiene zu verbessern. Die Kosten dafür belaufen sich auf 125.000 ksh (1075€)

Einführung in die Arbeit von „Global Hope“

Das Heim liegt in dem Vorort Ngong von Nairobi.

In Laufweite befindet sich auch der Slum von Ngong.

Dort leben neben Joseph auch noch seine Frau und drei Volontäre.

Die Volontäre der Organisation, die alle selbst einmal auf der Straße gelebt haben gehen regelmäßig in die Slums, sprechen dort mit den Straßenjungen und bringen sie zu dem Wohnheim. Außerdem suchen sie die Familien der Jungen, sofern diese vorhanden sind, auf und stehen in Kontakt mit dem Jugendamt. Natürlich geben sie den Jungen die Freiheit auch wieder gehen zu können, wenn sie das nicht wollen. „Wir geben den Jungen alle Freiheit und Selbstständigkeit. Ansonsten würden sie sich eingeschränkt fühlen und verschwinden.“ (Joseph Njoroge)

Zu Beginn geschieht es zwar oft, dass die Jungen wieder in die Slums gehen. Dies liegt allerdings daran, dass viele von ihnen stark drogenabhängig sind (v.a. Klebstoff aber auch andere härtere Drogen) und noch danach süchtig sind. Ihnen aus der Sucht zu helfen und immer wieder zu ihnen zu gehen und sie wieder aufzunehmen ist ein wichtiger Teil der Arbeit.

Nachdem die Jungen aus der Drogenabhängigkeit herausgekommen sind bemüht sich die Organisation darum, ihnen einen Schulplatz an einer der günstigeren Privatschulen zu organisieren. Dazu gibt es Patenschaftsprogramme, die auch gut funktionieren (Kosten dazu sind etwa 400$ pro Kind Pro Jahr ( 34 $ pro Monat).

Neben der Schule hat jeder Junge einen Zuständigkeitsbereich in dem Wohnheim. So gibt es auch manche Jungen, die aus eigener Initiative ein kleines Projekt begonnen haben. So haben sie dort nun Hühner, Enten, Ziegen, Hasen und Schweine, die immer ein Junge züchtet. Aber auch die Küche, das Feuerholz und die Reinigung. Alles wird von den Jungen gemeinsam gemacht.

Die Volontäre und der Direktor leben auch mit in dem Haus (Volontäre direkt bei den Jungs und der Direktor mit seiner Familie in einem kleinen, zusätzlichen, Raum). Da diese eigentlich keine Einnahmen haben leben sie gemeinsam mit den Jungen. Sie essen zusammen, bedienen sich genauso an Kleiderspenden. Kurzum, sie leben auf keinem wirklich höheren Standard als die Jungs.

Insgesamt sind im Moment 97 Jungs und 5 Volontäre da. Auch ist der Raum für sie alle sehr eng. Einige Jungs müssen zu viert in einem Bett schlafen. Es gibt drei Schlafsäle, die nach Alter aufgeteilt sind.

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Fotos aus Tansania 2018

Aufgrund einiger Urlaubsfotos die hier gezeigt werden, wird vom Vorstand des Vereins ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Flüge, Unterkunfts- und Verpflegungskosten von jedem Reiseteilnehmer selbst zu tragen sind. Der Verein bezahlt vor Ort ausschließlich Kosten, die direkt mit den Projekten des Vereins zu tun haben.

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Eine ganz andere Kultur

Wochenmarkt in Chimala, einer kleinen Siedlung im Süden von Tansania: Eine holprige Lehmpiste führt von der Nationalstraße zu einem Gelände, wo viele Marktstände unter Strohdächern vor der Sonne Schutz finden. Etwa scheu werden wir betrachtet, Michael, Tobias und Susanne Herold, Ulrich Wachter und Peter Berger, fünf Mitglieder des Vereins „Die Brücke“ aus Günzburg.

Hier gibt es fast alles für den täglichen Bedarf: viel frisches Obst, Mangos, Melonen, Ananas, Passionsfrucht, Avokado; Orangen ordentlich auf dem Boden oder auf Tischen zu kleinen Pyramiden gestapelt, zum Teil mit frisch abgeschabter Außenschale; große Säcke Reis, Bohnen und Erbsen; Süßkartoffeln und Zuckerrohr, Gewürze, Cashewkerne und Erdnüsse; aber auch Kleider, großenteils gebraucht, manchmal mit deutschen Aufschriften; Stoffe mit buntem Ketenge-Muster zum Selberschneidern werden als Sonderangebot verscherbelt; und jede Menge Schuhe, etwa aus alten Autoreifen gebastelte Flip-Flops. Auch Kleinmöbel und Autoersatzteile findet man hier. Und Geflügel oder Kaninchen in lebendigem Zustand.

Etwas scheu beobachtet man die Fremden, die Wasungu, wie man die Europäer hier nennt. Hier zu sein mit unserer bleichen Hautfarbe heißt: ständig Aufsehen erregen. Aber die Distanz ist zumindest vorläufig schnell überwunden, sobald man den Blicken nicht ausweicht. Ein Lächeln wird sofort erwidert. Man ist schnell beim Handschlag und in den Handel verwickelt. Die Sprache bleibt aber das große Hindernis. Man spricht Kiswahili, die Nationalsprache Tansanias, und eine der lokalen Stammessprachen – der Maasai, der Hehe, der Nyamwanga, der Sukuma – und ein wenig Englisch, das aber für europäische Ohren sehr fremdartig klingt. Für ein paar Scherze mag das reichen, die fröhlich erwidert werden. Ob man sich verstanden hat, bleibt offen. Die Leute sprechen hier fast alle zwei bis drei Sprachen! Dank der Volksschulbildung in den lokalen Primary-Schools. Die Schulbildung zu fördern, in dem kleinen Dorf Brand in der Nähe von Chimala, ist das große Anliegen, das die Mitglieder der „Brücke“, einer NGO aus Günzburg, hierhergeführt hat.

Die Gesellschaft Tansanias ist vielschichtig. Neben dem Nationalstaat Tansania existieren Stammesverbände mit Chiefs, Papas genannt. Deren Einflussbereich ist nicht an nationale Grenzen, die von den Kolonialmächten gesetzt wurden, gebunden. Ebenso gelten innerhalb der Stammesverbände eigene Regeln. Die Rolle alter Männer und Frauen, die innerhalb der Clans Rechtsprechung betreiben und Konflikte lösen, spielen im Alltag der Menschen eine wichtige Rolle.  Nicht selten errichten sie durch die Macht von Magie und Hexerei ein Angstsystem, wenden diese Rituale aber auch für Heilungserwartungen an. Fremden wird erst nach langer Zeit des Vertrauens diese Kultur zugänglich gemacht. Der mit dem Mzungu aus Europa zusammenarbeitende Tansanianer schämt sich wegen dieser Kultur, die er zwar als notwendig, aber auch rückständig empfindet. Oftmals scheitern Projekte, die von hilfswilligen Europäern und Amerikanern initiiert werden, wenn diese Hierarchien und  Regeln nicht einbezogen werden. Auch die Nationalregierung kämpft mit diesen Strukturen.

Die Akteure des Vereins „Die Brücke e.V.“ müssen sich in diese Kultur hineinwühlen, um erfolgreich und verantwortungsvoll Spendengelder so einzusetzen, dass sie den Menschen vor Ort helfen, ihre Lebenswirklichkeit zu verbessern. Beim Bau des Kindergartens (die Günzburger Zeitung berichtete darüber) wurde im letzten Moment bemerkt, dass zwar die lokalen Politiker, aber nicht die Clanchefs vor Ort bei der Projektimplementierung einbezogen waren. In einer stundenlangen Versammlung wurde den sehr alten Autoritäten, Männern und Frauen,  das Projekt vorgestellt. Es wurde diskutiert, wie die Erziehung im Kindergarten und in der Schule Kinder und damit die Tradition und die Zukunft beeinflussen könnte. Die Alten stimmten zu und legten so die Grundlage für das geplante Schulzentrum, welches vom Verein „Die Brücke e.V.“ Schritt für Schritt aufgebaut wird.

Mit dem Projekt „Bau einer Primary-School“ wird der pädagogische Ansatz des Kindergartens weitergeführt. Der tansanianische Staat erklärte sich bereit, die Gehälter der Lehrkräfte zu bezahlen, wenn im Gegenzug der Verein „Die Brücke“ sich in der Lehrerfortbildung engagiert und die Schule für alle Kinder, egal welchen Einkommens und welcher Ethnie und welcher Religion zugänglich ist. Das bedeutet vor Ort, dass keine Schulgelder bezahlt werden müssen und sich die Kinder verschiedener Ethnien und Sprachen und Religionen vermischen (die verschiedenen Stämme leben in eigenen Dörfern dicht nebeneinander und trotzdem strikt getrennt). Das Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen ist vor Ort ohne Konflikte möglich und es werden sehr innige Freundschaften zwischen Christen und Muslimen gepflegt. Die Nomadenstämme (Massai und Sukuma) werden von den sesshaften Stämmen tendenziell verachtet. Im Kindergarten aber spielen alle Kinder miteinander und lernen die gemeinsame Nationalsprache Kiswahili. Da sie Schuluniformen tragen verschwinden die äußeren Zeichen der Stammeszugehörigkeit. Außer dem Kopftuch bei islamischen Mädchen gibt es keine Unterscheidungsmerkmale. Dieses Miteinander wird in den Schulen fortgesetzt und vom Staat massiv gefördert, denn eine Weiterentwicklung des Landes kann nur durch die Stärkung des Nationalstaates erfolgen auf Kosten des Einflusses und der Identitätsbildung der Stämme. Eine Heirat zwischen verschiedenen Stämmen und Religionen ist inoffiziell aber völlig ausgeschlossen und würde zu einem Ausschluss aus dem Clan nach sich ziehen, denn der Clan entscheidet, wer wen heiraten darf.

In der geplanten Primary School engagiert sich der Verein „Die Brücke e.V.“ nach Vorgaben der tansanianischen Schulbehörden und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit, in der Lehrerfortbildung. Von beiden staatlichen Institutionen wird nämlich ein Konzept gesucht, welches einen Weg zur wirtschaftlichen Weiterentwicklung innerhalb der Traditionen der Menschen möglich macht.

Neben der Ernährungssicherung müssen Kinder lernen, wie man Landwirtschaft so betreibt, dass Überschüsse erzielt werden und diese dann durch Wertschöpfung auch zu Geld verwandelt werden. Mit diesem Wissen kann ein selbstgestaltetes Leben gelingen. Daher müssen die Kinder in der Schule lernen, wie man als Investor Geld verdienen kann. Selbständiges Denken, Mut zur Eigeninitiative, Sinn für wirtschaftliches Handeln sind die Schlagworte, die für den  Verein  „Die Brücke“ dem Begriff Nachhaltigkeit ein Zielfähnchen aufstecken.

Hier schlummern in Tansania  eine Menge Kapazitäten: ein fruchtbares Land, eine bewundernswerte Fähigkeit, sich mit einfachen Mitteln zu behelfen, die selbstverständliche gegenseitige Hilfsbereitschaft.  Was hier im ländlichen Raum fast ganz fehlt, sind kleine Betriebe zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. solche Betriebe müssen aber auch betriebswirtschaftlich geführt werden können. Vielleicht können dort auch Arbeitsplätze entstehen und der Betrieb könnte expandieren und so besser qualifizierten Menschen eine Anstellung gemäß ihrer Qualifikation ermöglichen. Das wäre ein Mittel gegen die Landflucht, die viele junge Leute dazu bringt in die Großstädte zu ziehen und von dort nach Europa, weil sie in Chimala oder Das Es Salam keine Perspektive sehen ihr Leben selbständig zu gestalten.

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Vorbereitung des Projektes „Bau einer Primary-School“

Die Arbeitswoche in Tansania war sehr intensiv. Wir trafen uns mit der Schwesternschaft, Planson Choosi (Lehrer und Freund von uns), Lehrern und Pfarrern aus dem Seminar in Kiduagala und Bischof Mengele in Njombe.

Bei allen Gesprächen ging es um die Frage, wie eine Lehrerbildungsunterstützung von unserer Seite aus aussehen könnte. Dabei wurden viele Fragen bezüglich der Möglichkeiten diskutiert, was vom Verein „Die Brücke“ erwartet wird.

Die Lehrer, die wir trafen zeigten sich sehr offen für Unterrichtsmethodik. Sie interessieren sich vor allem dafür, mit welchen Möglichkeiten man einen Unterricht gestalten kann, der Kinder zum selbständigen Denken erzieht. Lösungsorientierte Aufgabenstellungen sollen einen rein rezitativen Unterricht ersetzen. Außerdem interessieren sich die Lehrkräfte für Möglichkeiten, Kindern wirtschaftliche Zusammenhänge zu erklären und nahe zu bringen.

Innerhalb dieser Gespräche wurden von unserer Seite auch viele Fragen gestellt, in welchen kulturellen Rahmenbedingungen sich das Alltagsleben Tansanias abspielt. Unsere europäische Kultur wird dabei kritisch gesehen. Man befürchtet einen Verfall von zusammenhängenden Gesellschaftsstrukturen, wie Familie, Clan und Stamm. Dieses Denken ist uns sehr fremd. Wir sind daran gewöhnt, die Rechte des Individuums und die Entfaltungsmöglichkeiten des einzelnen Menschen als Wert zu definieren. Wir können aber in Tansania nicht voraussetzen, dass sich unsere Werte, die von einer globalisierten Wirtschaft ausgehend, uns zu Konsumenten oder Investoren gemacht hat und uns von den Zwängen sozialer Gruppen „befreit“ hat einfach so auf Tansania übertragen lassen. Schon gar nicht werden wir uns diesbezüglich als Kulturveränderer betätigen. Jedoch diskutieren wir mit unseren Freunden, welche indirekten Veränderungen sich durch eine Konzeption für die kulturell gewachsenen Verbünde ergeben, wenn Kinder zu wirtschaftlich handlungsfähigen Personen erzogen und ausgebildet werden. Dieser Prozess des gegenseitigen Austausches ist erst am Anfang. Wirtschaftliches Wachstum zum Beispiel setzt die Gestaltungsfreiheit des Einzelnen voraus. Der Investor, der mit Geld eine kleine Firma aufbaut muss lernen, dass er Geld zur Investition benötigt, das er dann in die Firma investieren muss. Dieses Geld wird aber damit der Familie und dem Clan entzogen. Die Familie muss daher akzeptieren, dass ein Mitglied des Verbandes Geld zurückbehält. In unserer Kultur wird das Geld verteidigt, in dem man sein Herz vor dem anderen verschließt. So formulieren es Tansanianer, die unsere Kultur und unser Verhalten kritisch ansehen. Für dieses Problem muss eine Antwort gefunden werden. Diese Antwort liegt in einer Vermittlung von Werten, die an Kinder weiter gegeben werden muss, will man auf der einen Seite wirtschaftliche Wertschöpfung fördern und auf der anderen Seite die Familienverbünde nicht zerstören. An diesem kleinen Beispiel lässt sich erahnen, welche Schwierigkeiten das Thema „Lehrerbildung“ mit sich bringt. Eine verkürzte Sicht auf die rein ökonomische Weiterentwicklung, die die sozialkulturellen Traditionen außer Acht lässt, würde sich massiv kulturzerstörend auswirken. Ein kritischer Blick auf unsere eigene Kultur bietet sich daher an. Denn auch bei uns gibt es Verlierer des Systems. Menschen, die aus irgendwelchen Gründen nicht das Kapital erwirtschaften können, welches sie brauchen, um ihr Leben selbständig gestalten zu können. Bei uns wird der Wert eines Menschen oft am Bankkonto festgezurrt, obwohl dies offiziell jeder dementieren würde. Aber in unserer Kultur spielen nicht alle Kinder zusammen am Dorfplatz Fußball. Und sollte es ein Ziel für Tansania sein, dass Kinder vor ihren Computern im Kinderzimmer zunehmend vereinsamen?

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