Aktuelle Situation 3

Übergabe eines Infrarotthermometers

In Tansania steigen die offiziellen Fallzahlen von Corona- Infektionen langsam an. Allerdings erzählte mir Alinaswe von einem befreundeten Pfarrer, der an einer schweren Lungenentzündung verstorben ist. Auch von anderen Lungeninfektionsfällen aus seinem Bekanntenkreis erzählt er mir, von Menschen, die sehr plötzlich schwere Symptome von Erkrankungen zeigen. Das bedeutet, dass sich das Virus, leider wie von Fachleuten vorhergesagt, unter dem Radarschirm der wenigen vorhandenen Tests ausbreitet. Mittlerweile wird in dem Dorf IHAHI die Ausbreitung des Virus sehr ernst genommen. Die Menschen haben bemerkt, dass bei einer Infektion die Symptome viel später bemerkt werden.
Alinaswe, der zuständige Beamte für das Gesundheitswesen in der Region, die vor Ort arbeitenden Ärzte und ich erarbeiteten in den letzten Tagen einen Notfallplan für IHAHI, der damit in die Strategie der Regierung zur Bekämpfung der Corona Epidemie eingebunden ist.

Das Schulhaus wird bei Bedarf (wenn die Kapazitäten der vorhandenen Krankenhäuser nicht mehr ausreichen) als Notkrankenhaus eingesetzt. Wir finanzieren den Ankauf von Matratzen. Medizinisches Gerät kann von uns genauso wenig beschafft werden, wie von anderen Krankenhäusern in der Gegend. Nahrungsmittel und Seife und Desinfektionsmittel, so wie genügend Brennmaterial zum Kochen von Essen, wurde von uns bereits eingelagert und teilweise an bedürftige Menschen verteilt. Wir wollen aber den Menschen vor Ort eine menschenwürdige Unterkunft anbieten, die für arme Menschen auch kostenfrei nutzbar ist. Tansania hat unter dessen den Export von Nahrungsmitteln verboten. Die Länder Ostafrikas steuern gerade, neben der Coronakrise, in eine Nahrungsmittel Unterversorgung.

Mundschutzmasken werden vor Ort verkauft

Der Schutz der in diesem Notkrankenhaus pflegenden Menschen ist uns ein besonderes Anliegen. Alinaswe, ein bereits gebildetes Team aus Freiwilligen und Ärzten werden sich dort um infizierte Patienten versorgen. Wir bestehen dabei aber auf zusätzliche Eigenschutzmaßnahmen, die über das Tragen von OP Masken hinaus gehen. Daher ist aus der ersten Idee mit dem Helmeimer ein System weiterentwickelt worden, was vor Ort herstellbar und unkompliziert einsetzbar ist. Dieses System habe ich dann gebaut und die Erfahrungen mit Alinaswe und einem Arzt in Tansania und Ärzten aus Deutschland diskutiert. Es soll FFP3 Masken ersetzen, die es in Tansania momentan nicht gibt. Mir ist durchaus bewusst, dass es eigentlich unverantwortlich ist, ein selbstgebasteltes Schutzsystem in einem solchen Krisenfall anzuwenden. Nur gibt es vor Ort eben auch keine Alternative, außer es würden schnellstens genügend FFP3 Masken von der Regierung geliefert.

Die Idee hinter dem System ist einfach: Luft wird von außerhalb des Gebäudes mit Abwasserrohren in den Raum geführt. In den Räumen gibt es zwischen zwei Betten eine Andockstation für einen Schlauch. Dort ist außerdem ein Föhn in einem Abwasserrohr installiert, der bei Bedarf angeschaltet werden kann und Kaltluft in eine Maske pumpt. Dieser so erzeugte Überdruck strömt aus der Maske aus. Da in einem solchen Raum nur infizierte Patienten untergebracht sind, muss auf eine Ansteckung durch den Pfleger oder Arzt keine Rücksicht genommen werden.

Die Masken und die Schläuche können aus PET Flaschen  (Wasserflaschen) gebaut werden. Die nötigen flexiblen Schläuche sind alte Fahrradschläuche, die mit Bambusstückchen gefüllt werden.
Das System habe ich mit befreundeten Ärzten in Deutschland besprochen, es wurde mit Rauch getestet und wir können sagen, dass keine Rauchpartikel in den Atemwegen wahrnehmbar waren.

Dazu werden pro 2 Patientenbetten jeweils ein Föhn benötigt. Diese sind die teuerste Anschaffung in diesem Bausystem. Der Föhn liefert genügend Druck, um eine sichere Belüftung der Atemmaske zu gewährleisten.

Wir hoffen und beten, dass sich die Situation in Tansania nicht weiter zuspitzt, aber wir wollen auch nicht unvorbereitet in die kommenden Wochen gehen.
Vielen Dank an dieser Stelle für die zahlreichen Spenden, die wir für die Versorgung der Menschen vor Ort einsetzen.

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