Krise in Ihahi

In dem Dorf Ihahi, in dem unsere Projekte durchgeführt werden, begegnet man dem Coronavirus mit besorgtem Abwarten..

Alinaswe und Schwester Agnes und Michael Herold hielten deshalb eine Video-Krisenkonferenz ab. Dort wurden verschiedene vorbereitende Maßnahmen beschlossen, für den Fall, dass es in Ihahi zu einem Ausbruch von Sars Covid 19 kommt. Momentan beschränken sich die Virus Präventionsmaßnahmen vor Ort auf Aufklärungsveranstaltungen, bei denen die Notwendigkeit des Händewaschens erklärt wird. Zu diesen Schulungen zur Infektionsprävention kommen viele Menschen zusammen. Einzelne ältere Leute werden besucht, um sie über die Notwendigkeit des Händewaschens zum Schutz vor einer Coronainfektion zu informieren. Die Regierung von Tansania rief zu Gottesdiensten in Kirchen und Moscheen auf. Die Gesundheitsfürsorge wurde in den letzten Tagen massiv in den Dörfern heruntergefahren Momentan gibt es vor Ort keine Medikamente und die lokale Ärztin weiß nicht, wie sie die Patienten behandeln soll, die jetzt kommen.

Dieser Sichtweise des Umgangs mit der Pandemie stellten wir die Maßnahmen gegenüber, die in Deutschland getroffen wurden. Insbesondere die Notwendigkeit der Unterbrechung von Infektionsketten wurde von unserer Seite aus detailliert beschrieben und von Alinaswe auch eingefordert.

Nach dem informellen Austausch spielten wir miteinander das Szenario durch, was passieren würde, wenn es zu einem massiven Corona- Krankheitsausbruch in Ihahi kommen würde. Bei dem Planspiel, das wir Laien durchführten (keiner von uns ist ein Pandemieexperte) wurden Fragen gestellt: Was machen wir, wenn…. Aus diesem Planspiel entwickelten wir folgende Aktionspunkte:

  • Wie beschränken unsere Aktivität auf die Schwesternschaft und deren Umfeld, dem Dorf Ihahi. Damit bereiten wir für ca. 2500 Menschen Hilfsmaßnahmen vor.
  • Insbesondere der Schutz der Schwestern ist wichtig, denn die Schwestern helfen den Menschen vor Ort und außerdem wäre ein Virusausbruch in der Schwesternschaft in vielen Bereichen sehr folgenreich. Für die Schwestern stehen im Krankheitsfall Zimmer in dem vom Verein vor einigen Jahren errichteten Gebäude zur Verfügung.
  • Alle Maßnahmen werden mit offiziellen Behörden koordiniert, Wir erkennen die Autorität der Regierung an und auch deren Verantwortung für das Wohl der Bevölkerung. In unserem Fall kooperieren wir mit der zuständige Ärztin und den politischen Verantwortlichen des Dorfes Ihahi.
  • Wir planen die Gebäude des Ferdinand Munk Kindergartens und der neuen Schule als Isolierstationen vorzubereiten. Dazu müssen Matratzen angeschafft werden. Die nötige Infrastruktur (Großküche, Toiletten, Wasser und Strom) ist bereits fertig und einsatzbereit.
  • Nahrungsmittelvorräte müssten für die Menschen angelegt werden, die sich nicht selber versorgen können. Viele Kleinbauern vor Ort sind aber grundsätzlich Selbstversorger. Besonders bedürftige Menschen aber gibt es in der Gemeinde Ihahi, die keine Vorräte haben und als Tagelöhner arbeiten oder zu alt oder zu krank sind, um sich selbst zu versorgen. Außerdem werden von der Regierung Maßnahmen wie Marktschließungen und Ausgangssperren bereits diskutiert, wodurch deren Beschaffungsmöglichkeiten für Nahrung ausfallen würde.
  • Die Schwestern nähen Schutzkleidung. Dazu muss Stoff und Nähzeug angeschafft werden.
  • Seife, und wenn möglich Desinfektionsmittel sollen angeschafft werden.

Insgesamt erwarten wir Kosten in Höhe von ca. 5000 Euro für diese Maßnahmen für die wir um Spenden unter dem Verwendungszweck „Corona-Hilfe“ bitten.

Außerdem besprachen wir (sehr besorgt) die Situation der von uns unterstützten Patenkinder, die in der Regel von ihren bereits sehr alten Großeltern versorgt werden.

Letztendlich muss aber festgestellt werden, dass es wenige Möglichkeiten gibt, die Infektionsketten vor Ort zu unterbrechen. In Tansania leben Familien eng gedrängt in kleinen Häuschen. Der soziale Zusammenhalt der Familien und der hohe moralische und soziale Druck, für die Familienmitglieder verantwortlich zu sein und erkrankte Familienangehörige liebevoll zu umsorgen, macht eine soziale Isolation von kranken- und alten Menschen fast unmöglich. Die Regierung von Tansania bereitet in Verlautbarungen ihre Bevölkerung auf rigorose Ausgangssperren und auf Engpässe bei der Versorgung mit Nahrungsmittel vor.

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